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Sonderausstellung Mahlzeit! Essen verbindet

  • Autorenbild: Brigitte Klefisch
    Brigitte Klefisch
  • 8. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Essen – mehr als nur Nahrungsaufnahme

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt in der Sonderausstellung „Mahlzeit“ Wie Essen uns verbindet“ interaktiv und unterhaltsam die teils skurrilen Essgewohnheiten verschiedenster Kulturen. Zudem zeigt die Ausstellung welche wichtige Funktion Essen für uns alle im Alltag hat.

Kuriose, ungewöhnliche und zum Schmunzeln einladende Exponate vereint die Ausstellung "Mahllzeit" im LWL in Herne.
Kuriose, ungewöhnliche und zum Schmunzeln einladende Exponate vereint die Ausstellung "Mahllzeit" im LWL in Herne.

Gemeinsam Essen ist weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Sei es ein königliches Bankett, der einfachen Bauernmahlzeit, dem familiären Abendessen oder der gemeinsamen Mittagspause. Jede Mahlzeit stellt auch Fragen: Wer sitzt wo? Wer bekommt das beste Stück. Welche Rituale bestimmen das gemeinsame Mahl. Aber vor allem steht eine Frage im Raum: Was verrät es über Macht, Zugehörigkeit, gesellschaftlichen Wandel und vor allem, was sagt es über die eigene Kultur aus?


An einer langen Tafel wandeln Besuch bis zum 13. September 2026 entlang einer langen Tafel. Mal inszeniert als Tisch, als Tresen oder einer Teezeremonie. Das Landesmuseum in Herne hat dafür mehr als dreihundert Exponate aus allen Epochen zusammengetragen. „Bei unserer neuen Ausstellung geht es nicht darum, was gegessen wird, sondern wie“, erklärte Georg Lunemann, Museumsdirektor, die Bedeutung der Ausstellung.


Gezeigt werden Objekte aus allen kulinarischen Lebensbereichen. Dazu zählen archäologische Funde der Region, aber auch Kunstwerke, Fotografien und audiovisuelle Medien. „In Herne geht es um die Kraft des gemeinsamen Essens und Trinkens, um Rituale, Regeln, Unterschiede und Gemeinsamkeiten.“ Nach Auffassung des Direktors sind das gerade Themen, die vor allem in westlichen Gesellschaften immer unbedeutender werden.

Bei der Wahl der Exponate legten Melanie Wunsch, Leiterin des LWL-Museums und Kurator Mathias Bensch Wert darauf, dass der zentrale Aspekt historischer und moderner Esskulturen veranschaulicht werden, aber auch spannende, teile kuriose Geschichten über das Miteinander am Tisch erzählen.


Kann ich das essen oder ist Gift in dem Essen?

Eine Frage, die sich vor allem in früheren Zeiten die Mächtigen dieser Welt gefragt haben dürften. Sie suchten durch besondere Objekte Schutz. Bis ins 17. Jahrhundert glauben Menschen daran, dass Drachenzungen oder Einhörner vor einer Vergiftung schützen können. Da diese aber eher selten auftreten, zeigt die Ausstellung einen Natternbaum. Das Exponat stammt aus dem Besitz des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586). Ein Natternbaum sollte auf einer Tafel Gifte anzeigen. An den Ästen hängen vermeintliche Natternzungen, die sich als Zahn Fossilien herausstellten und vermutlich von Haien sind. Hinter der auf dem Baum sitzenden Marien-Figur ist ein besonders großer Zahn zu finden. „Wahrscheinlich ein Megalodons“, erklärt Kurator Bensch, dass es sich dabei um eine vor Millionen Jahren ausgestorbenen Hai-Art handele.


Trinkgefäß in ungewöhnlichen Formen „Erwischt“ mag der eine oder andere Besucher bei dem Blick auf einen Glasphallus denken. Das aus dem 16./17. Jahrhundert stammende Trinkgefäß wird vermutlich nicht nur bei seiner Entdeckung für ein Schmunzeln gesorgt haben. Ausgegraben in einer Kloake im Damenstift Herford, wurde das Gefäß nahe den Gemächern der damaligen Äbtissin entdeckt. Das erstaunlich naturalistisch ausgearbeitete Trinkgefäß galt als Symbol für Männlichkeit, Aggressivität und Fruchtbarkeit. „In der Hand der Äbtissin dürfte es auch als Statement zu verstehen gewesen sein“, sind sich die Macher der Sonderausstellung sicher. „Schaut her, ich bin mächtig genug, mir diese Attribute anzuzeigen und mit Tabus zu brechen“.

So zeigt „Mahlzeit“ auch die Entwicklung von Geschirr und Trinkgefäße über die Jahrhunderte hinweg. Dass es auch unkomfortabel zugehen könnte, zeigt Katerina Kamprani mit ihrer Serie „The Uncomfortable“. Zu den absurden Objekten gehörten zwei an Henkeln verbundene Tassen, unbenutzbare Gläser oder Besteck mit Ketten.



Quelle: LWL Westfalen-Lippe/kle




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